Projekte „Gewalt in Heimen und bei Pflegeeltern“ Zwischenbericht per 31. Jänner 2017

2010 sind Berichte von ehemaligen Heimzöglingen, die in kirchlichen und öffentlichen Heimen physischer, psychischer und oft auch sexueller Gewalt ausgesetzt waren, erstmals nachhaltig von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen worden. Österreich weit wurden in der Folge von den verantwortlichen Institutionen Projekte zur Unterstützung Betroffener eingerichtet: von der katholischen Kirche die Österreich weit tätige Unabhängige Opferschutzanwaltschaft („Klasnic Kommission“) und auch in den Bundesländern wurden nach und nach Anlaufstellen für Betroffene eingerichtet.

Projekte: Hilfe für Opfer von Gewalt in Institutionen

Stand: 16.1.2017

Der WEISSE RING betreut seit August 2010 Opfer, die Kinder und Jugendliche in Heimen und bei Pflegeeltern Gewalt erfahren haben. In persönlichen Gesprächen, die zu einem schriftlichen Bericht zusammengefasst werden, haben Betroffene die Möglichkeit, über ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen, über physische, psychische und in vielen Fällen auch sexuelle Gewalt, die sie in Heimen und bei Pflegeeltern erfahren haben, und ihre Folgen zu sprechen. Im Rahmen der Projekte entscheiden unabhängige Gremien des WEISSEN RINGES über Leistungen für Betroffene: finanzielle Unterstützungen und Kostenübernahmen für Psychotherapien und Rechtsberatungen.

 

„Hilfe für Opfer von Gewalt in Einrichtungen der Wiener Jugendwohlfahrt“ / Stadt Wien

Meldeschluss für Betroffene: 31.3.2016

Grundlage: Gewalterfahrungen in Heimen oder bei Pflegeeltern aufgrund einer Maßnahme der Wiener Jugendwohlfahrt

Meldungen: 3.139

Bearbeitungsstand: 3.137 Fälle wurden bislang in 67 Gremiumssitzungen behandelt; in 2.376 Fällen wurden finanzielle Unterstützungen, in 1.826 die Kostenübernahmen für Psychotherapien und in 287 Fällen für Rechtsberatungen beschlossen. In 741 Fällen lag keine Zuständigkeit der Wiener Jugendwohlfahrt vor; sie konnten in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle an die betreffenden zuständigen Stellen verwiesen werden.

Die Stadt Wien unterstützt Betroffene, die sich nach dem Meldeschluss, also seit 1.4.2016 gemeldet haben, weiterhin mit Bereitstellung von Psychotherapie beim Psychosozialen Dienst. Die Organisation hat die Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien, Tel. 01/70 77 000, Mail: post@jugendanwalt.wien.gv.at, übernommen.

 

„Hilfe für Opfer von Gewalt in Heimen des Bundes, die dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur unterliegen bzw unterlagen“ (seit 2013 Bundesministerium für Bildung und Frauen)

kein Meldeschluss

Grundlage: Gewalterfahrungen in Heimen des Bundes, die im Zuständigkeitsbereich des Unterrichtsministeriums liegen oder lagen

Meldungen: 43

Bearbeitungsstand: 43 Fälle wurden bislang in 9 Gremiumssitzungen behandelt; in 36 Fällen wurden finanzielle Unterstützungen, in 34 die Kostenübernahmen für Psychotherapien und in 1 Fall für Rechtsberatung beschlossen. In 7 Fällen lag keine Zuständigkeit des Unterrichtsministeriums vor.

Der WEISSE RING nimmt wwweiterhin Meldungen entgegen: Tel. 01/712 14 05, office@weisser-ring.at.

 

„Hilfe für Opfer von Gewalt in Einrichtungen der Evangelischen Kirche A.B. und H.B./Diakonie Österreich“

Meldeschluss: 31.3.2017

Grundlage: Gewalterfahrungen in einem Heim oder einer Einrichtung der Evangelischen Kirche A.B. und H.B. oder der Diakonie Österreich

Meldungen: 88

Bearbeitungsstand: 85 Fälle wurden bislang in 31 Gremiumssitzungen behandelt; in 72 Fällen wurden finanzielle Unterstützungen, in 43 die Kostenübernahmen für Psychotherapien und in 12 Fällen für Rechtsberatung beschlossen. In 13 Fällen lag keine Zuständigkeit vor.

Die Evangelische Kirche und die Diakonie unterstützen Betroffene, die sich nach dem Meldeschluss, also nach dem 1.4.2017 melden, weiterhin mit Bereitstellung von Psychotherapie und Rechtsberatung. Kontakt: WEISSER RING, Tel. 01/712 14 05, office@weisser-ring.at oder Evangelische Kirche, Tel.: 01/479 15 23, officeinfo@evang.at.

 

„Hilfe für Opfer von Gewalt in Heimen des Bundes, die dem Bundesministerium für Justiz unterliegen oder unterlagen“

Grundlage: Gewalterfahrungen in Heimen des Bundes, die im Zuständigkeitsbereich des Justizministeriums lagen

Meldungen: 120

Bearbeitungsstand: 120 Fälle wurden bislang in 10 Gremiumssitzungen behandelt; in 100 Fällen wurden finanzielle Unterstützungen, in 57 die Kostenübernahmen für Psychotherapien und in 7 Fällen für Rechtsberatungen beschlossen. In 20 Fällen lag keine Zuständigkeit des Justizministeriums vor bzw. es wurden keine Angaben zu Gewalt gemacht.

Das Projekt ist seitens des WEISSEN RINGES mit Ausnahme der Abwicklung der Psychotherapien, die bechlossen und noch laufend in Anspruch genommen werden, abgeschlossen.