Tag der Kriminalitätsopfer 2019

Herausforderung Cybercrime

Tag der Kriminalitätsopfer 2019 / Das Thema „Cybercrime“ stand im Zentrum des Tags der Kriminalitätsopfer, zu dem Bundesministerium für Inneres und WEISSER RING am 22. Februar einluden.

Foto BMI / Alexander Tuma:  Präsident WEISSER RING Udo Jesionek, Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit Michaela Kardeis, Staatssekretärin Karoline Edtstadler,  Sektionschefin Bernadett Humer, Generalsekretär Peter Goldgruber, Vizepräsident WEISSER RING Michael Lepuschitz
Weitere Fotos finden Sie hier: Fotolink

Anlässlich des Europäischen Tags der Kriminalitätsopfer fand zum nunmehr neunten Mal ein gemeinsam von BMI und WEISSEM RING veranstaltetes Symposium statt. „Mit über zehntausend Anzeigen jährlich wird Cybercrime immer mehr zu einem zentralen Thema in der Strafverfolgung. Um diesem mit dem entsprechenden Know-how entgegen treten und Straftaten auch im Deep Web und Darknet verfolgen zu können, haben wir im Bundeskriminalamt ein Cybercrime-Competence-Center eingerichtet. In diesem beschäftigen sich Expertinnen und Experten aus den Bereichen Ermittlung, IT-Forensik und Technik mit der Bekämpfung dieser neuen Kriminalitätsformen“, sagte Generalsekretär Mag. Peter Goldgruber in seiner Eröffnungsansprache.

„Auch Straftaten, die im digitalen Raum stattfinden, hinterlassen bei den Betroffenen ganz reale Spuren“, ergänzte Staatssekretärin Mag.a Karoline Edtstadler. „Auch wenn Opfer körperlich nicht verletzt werden, kann die Psyche Schaden nehmen.“

Hon.Prof. Dr. Udo Jesionek, Präsident des WEISSEN RINGS verwies auf die Vielfalt der Straftaten, die mit Hilfe des Internet begangen werden: „Die Bandbreite der Delikte reicht von Datenbeschädigung, Datenfälschung und betrügerischem Datenverarbeitungsmissbrauch bis zu Beleidigung, Betrugsdelikten, Cyber-Mobbing oder Cyber-Grooming. Das stellt auch uns als Opferhilfe-Einrichtung immer wieder vor völlig neue Herausforderungen.“

„Rund 30% aller Jugendlichen waren schon einmal von Cyber-Mobbing betroffen. Das Ziel des Bundeskanzleramts – Sektion Familien und Jugend – ist es daher, Eltern, Jugendlichen und Jugendarbeiter/innen sowie anderen pädagogisch Tätigen Medienkompetenz zu vermitteln und diese zu fördern. Denn Medienkompetenz ist in unserer digitalen Gesellschaft eine entscheidende Schlüsselfähigkeit und der beste Weg, um Kinder und Jugendliche nachhaltig zu schützen!“ führte Sektionschefin Bernadett Humer, MSc, Kabinettschefin der Bundesministerin für Frauen, Familien und Jugend, aus.

Evidenzbasierte Daten haben ergeben, dass Cybercrime-Täter*innen oft aus dem persönlichen Umfeld kommen. Deshalb rät Dr.in Edith Huber, Sicherheitsforscherin und Leiterin der Stabsstelle Forschungsservice und Internationales, Donau-Universität Krems, zur Vorsicht: „Schützen Sie Ihre Passwörter auch vor Menschen, die Ihnen nahestehen. “

ChefInsp. Robert Lakits, Bundeskriminalamt, lud das Fachpublikum zu einem Ausflug in jene Bereiche des Internet ein, die für Suchmaschinen nicht zugängig sind: „Deep Web und Darknet bieten Schutz vor Verfolgung – leider auch für Menschen, die dort strafbare Handlungen begehen. Cyberkriminelle haben kein Recht auf Nutzung der Anonymität bei ihren kriminellen Geschäften. Neue Fahndungsmethoden und eine bessere Vernetzung der Polizei steigern den Fahndungsdruck im Darknet.“

Ing. Mag. Bernhard Jungwirth, M.Ed., Geschäftsführer Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und Leiter Internet Ombudsmann betonte: „Prävention ist einer der entscheidenden Hebel im Kampf gegen Internetbetrug. Deshalb ist es so wichtig, dass Prävention nicht zur Alibi-Aktion verkommt. Es braucht ein ständiges Ringen um wirkungsvolle Methoden und ausreichende Ressourcen.“ Und für Cybercrime gilt ganz besonders: „International agierende Internet-Betrüger können nur gemeinsam über Ländergrenzen hinweg wirkungsvoll bekämpft werden.“

Assoz. Prof.in Dr.in Ulrike Zartler, PD, Institut für Soziologie, Universität Wien, präsentierte zum Thema Jugendliche und Gewalt im Internet Ergebnisse aus dem im Rahmen von KIRAS des BMVIT geförderten Projekt „Zivilcourage 2.0“. „Für die praktische Präventionsarbeit ist es zentral, ein verändertes Selbstverständnis von Zivilcourage zu fördern, das Bewusstsein für Normverletzungen zu erhöhen, einfache Möglichkeiten im Erkennen und Artikulieren von Hilfebedürfnissen anzubieten und Handlungskompetenzen gezielt zu erweitern,“ lautet ihre zentrale Schlussfolgerung.

Und zu guter Letzt ging es im Vortrag von MMag.a Dr.in Dina Nachbaur und Mag.a Sabine Weber, beide WEISSER RING, unter dem Titel „Gemüsehass und Identitätstorte“ um alternative Trainingsmethoden für die Weiterbildung von Mitarbeiter*innen in Opferhilfe-Einrichtungen. Geschäftsführerin Dina Nachbaur lenkte den Blick auf deren Rolle: „Betroffene von Gewalt im Netz fühlen sich oft hilflos und ausgeliefert. Wir Berater*innen müssen diesem Sog widerstehen können. Auch wenn sich Gewalt im Netz nicht mit einem Knopfdruck ausschalten lässt – Ziel der Beratung wird immer sein, dass sich Betroffene wieder handlungsfähig fühlen. Dazu braucht es kompetente Berater*innen und laufende Fortbildung.“ Sabine Weber ergänzte: “In der Praxis können wir Berater*innen selten eine schnelle Lösung anbieten, aber Halt und Orientierung. Da hilft eine gute fachliche Grundlage – ganz besonders bei neuen Arbeitsfeldern. Und die erwirbt man am besten, indem man beim Training selbst aktiv ist, sich emotional auf das Thema einlassen kann und das Training zu guter Letzt auch noch Spaß macht.“

Zum Tag der Kriminalitätsopfer

Der „Tag der Kriminalitätsopfer“ am 22. Februar soll auf die persönliche, wirtschaftliche und rechtliche Situation von durch strafbare Handlungen geschädigten Menschen aufmerksam machen. Initiator dieses mittlerweile in zahlreichen Ländern Europas begangenen Tages war der damalige Leiter der schwedischen Opferhilfe Björn Lagerbag. Er schlug in Erinnerung an die Ermordung von Ministerpräsident Olof Palme im Jahr 1986 den 22. Februar als Tag der Kriminalitätsopfer vor.

Seit 2011 veranstalten das Bundesministerium für Inneres und der WEISSE RING alljährlich an diesem Tag ein gemeinsames Symposium zu einem aktuellen Thema.

Cybercrime – was ist zu tun?

Aus den Ausführungen der Vortragenden ergeben sich eine Reihe an Handlungsoptionen für die Zukunft, die der WEISSE RING in einen Katalog aus sieben Forderungen zusammenfasst:

  1. Für eine effiziente und kompetente Beratung von Cybercrime Betroffener braucht es laufende Fortbildung für die Berater*innen in Opferhilfe-Einrichtungen.
  2. Für die strafrechtliche Verfolgung von Cybercrime braucht es entsprechende Ausbildung und Fortbildung für die handelnden Personen und eine personelle Ausstattung von Strafverfolgungsbehörden, die dem Ausmaß der neuen Herausforderungen entspricht.
  3. Präventiv müssen User*innen über Maßnahmen informiert und beraten werden, die ihre Sicherheit im Internet erhöhen. Zielgruppe dafür müssen Personen jeden Alters sein.
  4. Es muss erkennbar und fühlbar sein, dass auch das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Zu überlegen sind „Online-Streifen“ der Polizei und Projekte, welche die digitale Zivilcourage fördern.
  5. Die Anzeigenerstattung sollte erleichtert werden und auch online möglich sein.
  6. Initiativen von NGOs, welche Meldungen von Cybercrime und insbesondere von Gewalt im Netz fördern, sollten unterstützt und ausgebaut werden.
  7. Opfer von Cybercrime brauchen Beratung und Unterstützung. Der WEISSE RING fordert die Unterstützung von Opfern aller Straftaten entsprechend ihren Bedürfnissen.

Link zur APA ots des BMI

Mehr Infos zu den einzelnen Beiträgen:

Edith Huber – Täter*innenprofile

Robert Lakits – Exkursion ins Darknet

Bernhard Jungwirth – Prävention von Cybercrime

Ulrike Zartler – Zivilcourage 2.0

Dina Nachbaur und Sabine Weber – Alternative Trainingsmethoden gegen Gewalt im Netz