Täter*innenprofile

Petra und Hannes sind schon seit Jahren ein Paar. Sie trennt sich von ihm, da sie sich in der Beziehung schon länger unglücklich fühlt. Hannes verkraftet den Schicksalsschlag nicht. Er möchte sich an ihr rächen. Da beide einen PC nutzten, kennt er alle Passwörter und Zugangsdaten von Petra. Kurzerhand ändert er alle ihre wichtigen Passwörter von E-Mail und Sozialen Medien. Plötzlich kann Petra weder auf ihr Android-Smartphone, ihre E-Mails noch ihren Facebook-Account zugreifen. In ihrem Namen versendet er nun intime Fotos und stellt persönliche Daten von ihr ins Internet.

„Schützen Sie Ihre Passwörter auch vor Menschen, die Ihnen nahestehen. Evidenzbasierte Daten haben ergeben, dass Cybercrime-Täter oft aus dem persönlichen Umfeld kommen.“

Dr.in Edith Huber, Sicherheitsforscherin und Leitung der Stabsstelle Forschungsservice und Internationales, Donau-Universität Krems

Kaum ein Tag vergeht, an dem die Medien nicht über Cyber-Angriffe berichten. Aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung kann Internetkriminalität mittlerweile fast jeden treffen. Opfer können dabei Firmen, Staaten oder Privatpersonen werden. Dabei spannt sich der Bogen von den klassischen Hacking-Delikten bis hin zu Cyberstalking. Aber was genau ist nun Cybercrime konkret und wie sieht die Situation in Österreich aus? Seit 2006 werden in Österreich die Fälle von Computerkriminalität in der amtlichen Kriminalstatistik unter dem Sammelbegriff „Cybercrime“ erfasst. Im Rahmen eines von KIRAS (österreichisches Sicherheitsforschungsförderprogramm) geförderten Forschungsprojekts wurden im Zeitraum von 2006 bis 2016 Akten des Wiener Straflandesgerichts (N=5404 Akten) wissenschaftlich untersucht.

Geld und Rache als Motive

Dabei wurde den Fragen nachgegangen, wie typische Profile der Cyber-Kriminellen in Österreich aussehen und ob sich bestimmte Muster im Tathergang erkennen lassen. In der Analyse lassen sich zwei Tendenzen erkennen, die in den vergangenen Jahren massiv an Zuwachs gewonnen haben. Es handelt sich dabei um Delikte, die aus finanziellem Interesse heraus durchgeführt werden, wie z. B. der Identitätsdiebstahl sowie um Delikte, die aus der Rache motiviert sind.

Eine weitere wesentliche Erkenntnis ist, dass Täter nicht für jede Straftat, die im Internet begangen wird, auch überdurchschnittliche EDV-Kenntnisse brauchen. Ganz im Gegenteil kann davon ausgegangen werden, dass rund zwei Drittel über ein geringes Bildungsniveau sowie maximal über Grundkenntnisse im Umgang mit EDV verfügen. Sie begehen eher einfache Delikte und verlagern quasi die Kleinkriminalität aus der analogen in die digitale Welt. Auch Stalking findet zunehmend im Internet statt.

Dr.in Edith Huber, Sicherheitsforscherin und Leitung der
Stabsstelle Forschungsservice und Internationales, Donau-Universität Krems

Vortrag beim Tag der Kriminalitätsopfer 2019

Evidenzbasierte Daten haben ergeben, dass Cybercrime-Täter*innen oft aus dem persönlichen Umfeld kommen. Deshalb rät Dr.in Edith Huber, Sicherheitsforscherin und Leiterin der Stabsstelle Forschungsservice und Internationales, Donau-Universität Krems, zur Vorsicht: „Schützen Sie Ihre Passwörter auch vor Menschen, die Ihnen nahestehen.“

Hier gibt es die Präsentation als Download.

Hier und hier geht es zu unseren Presseaussendungen zum Tag der Kriminalitätsopfer 2019.

Foto: Copyright WEISSER RING/Orhan Maglajlic