Opferhilfe
Dank der jahrelangen
Aufbauarbeit aller ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in den Landesleitungen und
im Vorstand des Weissen Ringes und dank der finanziellen Unterstützung durch
alle Mitglieder, Freunde und Förderer konnte der Weisse Ring im Jahr 2001 die
Hilfe und Unterstützung von Verbrechensopfern gegenüber den Vorjahren stark
ausbauen.
- Über 1.500 Opfer
von Verbrechen hat der Weisse Ring im Jahr 2001 kostenlos beraten (1.200
im Jahr 2000).
- 2001 hat der Weisse
Ring die kostenlose Rechtsberatung von Verbrechensopfern durch
Rechtsanwälte massiv ausgebaut.
- Kostenlose
Beratungsgespräche mit TherapeutInnen und PsychologInnen wurden im 2001
verstärkt vermittelt.
- Im Jahr 2001 hat
der Weisse Ring in 78 Fällen die psychosoziale und/oder anwaltliche
Prozessbegleitung ermöglicht.
- In 226 Fällen
(126 im Jahr 2000), die 2001 neu registriert wurden – dazu kommen Opfer
von Verbrechen, die wir bereits in den Vorjahren betreut haben und für die
wir weiterhin Hilfestellungen bieten - hat der Weisse Ring über die
kostenlose Beratung hinaus weitere Hilfeleistungen für Opfer erbracht
(Koordination mit Behörden und anderen Hilfsorganisationen, finanzielle
Unterstützungen, zinsenlose Darlehen, Gerichts- und Prozessbegleitung
durch TherapeutInnen und AnwältInnen, Verhandlungen mit Behörden, Banken,
öffentlichen und privaten Einrichtungen, um direkte
Unterstützungsleistungen für Opfer zu erzielen,...).
Im Vergleich zum Jahr 2000 ergibt sich folgende
Aufteilung dieser 226 Fälle nach Bundesländern:

Hinsichtlich Art
der Delikte gibt es geringe Verschiebungen im Vergleich zum Jahr 2000:

- Zusätzlich
wurden 44 Kinder (37 Kinder waren es im Jahr 2000) im Rahmen der
Kinderaktion des Weissen Ringes finanziell und durch Sachleistungen
unterstützt. Im Rahmen dieses Projektes werden Kinder, die Opfer eines
Verbrechens wurden, sei es, dass sie ihre Eltern verloren haben, sei es,
dass sie selbst an Leib und Seele schwerst verletzt wurden, bis zu ihrer
Selbständigkeit begleitet und unterstützt. Ein Teil der Zuwendungen wurde
am 13.12.2001 im Rahmen einer kleinen alljährlich stattfindenden
Weihnachtsfeier an die Kinder und ihre Eltern vom Präsidenten
HonProf.Dr.Udo Jesionek und von Frau Generalsekretärin Johanna Zwerenz
übergeben.
- Über € 100,000,-
wurden an Geldzuwendungen an Opfer von Verbrechen ausgeschüttet, dazu
kommen Geld- und Sachzuwendungen von Dritten, die aufgrund der
Intervention des Weissen Ringes direkt an die Betroffenen ausbezahlt bzw.
geleistet wurden.
Organisation
Der Trend der Jahre
1999 und 2000, in denen es gelungen ist, in allen Bundesländern Landesleitungen
zu etablieren hielt auch 2001 mit einer Stärkung der Struktur sowohl im
Vorstand als auch in den Landesleitungen an.
- Generalversammlung am 31. März 2001 in Geinberg/Oberösterreich : der Präsident, HonProf. Dr. Udo JESIONEK,
der Vizepräsident, Oberstleutnant Karl MAHRER, die Generalsekretärin,
Johanna ZWERENZ, und die Vorstandsmitglieder Mag.a Eva BASSLER,
Mag.a Petra SMUNTNY und Dr. Albin DEARING wurden in ihrer
Funktion wiedergewählt, neu in den Vorstand wurden Heinz GEHL als Kassier
sowie als Mitglieder Prof. Dr. Marianne LÖSCHNIG-GSPANDL und Dr. Uwe
KIRSCHNER gewählt. Alle LandesleiterInnen wurden in ihrer Funktion
bestätigt: Dr. Wolfgang SICKA (Wien), Rainer PHILIPPEIT
(Niederösterreich), Herbert WAGNER (Burgenland), Franz GRÜNBART
(Oberösterreich), Dr. Lucas LORENZ (Tirol), Gerhard SALZINGER
(Vorarlberg), Roland JANKO (Steiermark), Dr. Harald RUMPLER (Salzburg) und
Renate MOSSER (Kärnten).
- Gründung der
ersten regionalen Außenstelle Wels und Wels Land: Rev.Insp. Manfred ARMBRUCKNER übernahm die
Funktion als Außenstellenleiter, er wird unterstützt von Major Gerhard
STEIGER, Obstlt. Franz HOCHSTRASSER, Marianne BALDAUF, sowie den Anwälten
Dr. Anton FRANK und Mag. Clemens KRABATSCH und der Psychotherapeutin Mag.a
Monika HEIDLMAIR.
- Gründung der
zweiten regionalen Außenstelle Salzkammergut: Bez.Insp.Karl MEISTER und GrInsp. Reinhard
HELD übernahmen die Außenstellenleitung, sie werden unterstützt von
Rechtsanwalt Dr. Erwin WARTECKER und dem Psychiater Dr. Johannes
PUNZENGRUBER.
- Neue ehrenamtliche MitarbeiterInnen:
Oberösterreich : Die Rechtsanwälte Mag. Helmut KUNZ, RA Mag. Anton KARTE und der
Psychiater und Therapeut Dr. Werner HUBATSCHECK verstärken das
Weisser-Ring-Team in Oberösterreich.
Wien:
Aufgrund des starken Anstieges an zu betreuenden Opfern – knapp die Hälfte
aller Opfer von Verbrechen, die der Weisse Ring 2001 betreut hat, stammen aus
Wien – wurde die kostenlose Beratung von Opfern durch Juristen ausgebaut: neben
den Vorstandsmitgliedern steht nun der Rechtsanwalt Mag. Dominik BAURECHT
einmal wöchentlich für die Beratung von Opfern zur Verfügung. Für kostenlose
Beratungsgespräche mit TherapeutInnen – auch sie werden einmal wöchentlich
angeboten und zusätzlich bei Bedarf individuell vereinbart – konnten zum
bereits bestehenden Team Dr. Ilse WILDLING, Alexander KNOLL und Günter
GAMMER gewonnen werden.
Niederösterreich: Das Team des Weissen Ringes in Niederösterreich
unterstützt seit 2001 die Psychologin Mag.a Dr. Gabriele
FÜRST-PFEIFER.
- Einrichtung
der Geschäftsführung : Um den
gestiegenen Anforderungen, die mit dem starken Ausbau der Organisation und
der rasch ansteigenden Zahl der hilfebedürftigen Opfer verbunden sind,
gerecht werden zu können, wurde mit Beginn des Jahres 2001 eine
hauptamtliche Geschäftsführerin, Mag.a Marianne GAMMER, die bis
dahin seit Jahren ehrenamtlich im Vorstand tätig war, eingestellt. Mit
Ingrid EDERER, der Sekretärin der Bundesgeschäftsstelle sind somit nur
zwei Mitarbeiterinnern – beide nur Teilzeit – hauptamtlich in ganz
Österreich für den Weissen Ring tätig. Ziel des Weissen Ringes ist es,
auch in Zukunft den Administrationsaufwand möglichst gering zu halten und
die Struktur an ehrenamtlichen MitarbeiterInnen weiterhin auszubauen.
- Administration: Die verstärkte Organisationsstruktur
erforderte 2001 die Aufrüstung der technischen Ausstattung im
„Back-Office“-Bereich: Die Bundesgeschäftsstelle wurde mit 2 Servern und 2
PC’s ausgestattet. Sowohl die Hardware als auch die in diesem Zusammenhang
erforderlichen Einrichtungen des Netzwerk- und E-mail-Systems wurden dem
Weissen Ring kostenlos zur Verfügung gestellt.
- Organisationsentwicklung
2002: Am 17.11.2001 haben
alle Mitglieder des Vorstands und alle Landesleiter in einer Klausurtagung
das Arbeitsprogramm für das Jahr 2002 erstellt. Schwerpunkte der Arbeiten
2002 werden sein:
- Ausbau der Landesorganisationen
- Gezielte Fundraising-Aktivitäten zur Einnahmensteigerung
- Erstellung eines Schulungsprogrammes und Handbuches für ehrenamtliche MitarbeiterInnen des
Weissen Ringes Österreich und Durchführung der ersten Schulung. Herr
Univ.Prof.Dr.Karl DANTENDORFER hat sich bereiterklärt, den Weissen Ring dabei
ehrenamtlich zu unterstützen und ab 2002 im Vorstand aktiv zu werden.
- Gründung des Wissenschaftlichen Beirates des Weissen Ringes Österreich, mit dem Ziel, die
Erkenntnisse aus nationalen und internationalen Forschungstätigkeiten zu
sammeln, wissenschaftliche Forschung zu
entfalten und den Vorstand in sachlichen Belangen zu beraten. Herr Dr.Albin
DEARING hat sich bereit erklärt, den Wissenschaftlichen Beirat zu leiten. Neben
aktiven Vorstandsmitgliedern des Weissen Ringes werden weitere Persönlichkeiten
aus der Wissenschaft und aus anderen Opferhilfeorganisationen im
Wissenschaftlichen Beirat mitarbeiten.
Kooperationen
Der Weisse Ring arbeitet in einem Netzwerk von öffentlichen und privaten
Einrichtungen, die Menschen helfen. Mit dem Ziel Opfern von Verbrechen die bestmögliche Unterstützung und Hilfe bieten
zu können, hat der Weisse Ring die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen
weiter ausgebaut:
- Die Kooperation
mit den Bundessozialämtern (Bundesministerium für Soziale Sicherheit und
Generationen) konnte auch 2001 fortgesetzt bzw. intensiviert werden.
- Im Rahmen eines
Kooperationsvertrages mit dem Bundesministerium für Inneres ist der Weisse
Ring im Präventionsbeirat aktiv tätig.
- Auf Basis von
Direktförderungen von Opfern wird die Arbeit des Weissen Ringes im Bereich
der anwaltlichen und psychosozialen Prozessbegleitung vom
Bundesministerium für Justiz unterstützt.
- Die Kooperation
mit den Interventionsstellen zur Unterstützung von Opfern von Gewalt in
der Familie konnte 2001 massiv verstärkt werden.
- Im Raum Wien,
Niederösterreich und Burgenland arbeitet der Weisse Ring eng mit „danach.“
– nunmehr „Neustart. Opferhilfe.“ zusammen, wenn sozialarbeiterische
Unterstützung von Opfern erforderlich ist.
- In der laufenden
praktischen Arbeit kooperiert der Weisse Ring in ganz Österreich mit den
Stellen der Exekutive, mit Kriseninterventionsstellen, Frauennotrufen,
Frauenhäusern und spezialisierten Organisationen wie Tamar, Die Möwe, den
Kinder- und Jugendanwaltschaften, etc.
Öffentlichkeitsarbeit
- Der Weisse Ring bietet über seine Website www.weisser-ring.at
rund um die Uhr Informationen für hilfsbedürftige Opfer, Interessenten,
Partner und Medien an.
- Im Jahr 2001
wurde der Folder „Wir helfen den Opfern von Verbrechen“ für einige
Bundesländer überarbeitet und neu herausgegeben werden. Der Folder liegt
in den Dienststellen der Exekutive, in Hilfsorganisationen und
öffentlichen Stellen sowie bei Veranstaltungen auf.
- Die Zeitung
„Weisser Ring“, das offizielle Publikationsorgan, erscheint ab dem 2.
Halbjahr 2001 jährlich 2 Mal und wird an alle Mitglieder, Freunde und
Förderer ausgegeben. Zusätzlich wird sie zweimal pro Jahr der Zeitschrift
des Bundesministeriums für Inneres „Öffentliche Sicherheit“ beigeheftet.
- Die Presseaussendungen
des Weissen Ringes wurden vor allem von den Printmedien sehr positiv
aufgegriffen und wiedergegeben:
| 31.1.2001 |
Pilotprojekt des Weissen Ringes und der Rechtsanwaltskammer
Burgenland: Rechtsbeistand für Verbrechensopfer |
| 29.3.2001 | Der Weisse Ring
Österreich fordert mehr Mittel für die Opferhilfe |
| | (anlässlich der Generalversammlung
Ende März 2001) |
| 4.7.2001 |
Prozessbegleitung für Verbrechensopfer |
Zahlreiche weitere Beiträge erschienen auf
Initiative des Weissen Ringes in einzelnen Medien.
- In verschiedenen
TV-Sendungen wurde im Jahr 2001 das Thema Verbrechensopfer und
Verbrechensopferhilfe und in diesem Zusammenhang die Tätigkeit des Weissen Ringes verstärkt
thematisiert:
| 30.3.2001 |
„Bundesland heute“ / Oberösterreich |
| 2.5.2001 |
„Speed“ / ATV |
| 30.4.-11.5.2001 |
In “Willkommen Österreich” kommen 2 Wochen lang täglich Verbrechensopfer zu Wort |
| 5.7.2001 |
„Willkommen Österreich“, aktuelles Gespräch zum Thema Verbrechensopfer |
| 26.9.2001 |
„Barbara Karlich-Show“ |
- In Einklang mit
dem in den Statuten des Weissen Ringes festgelegten Ziel, legistische
Vorschläge zur Verbesserung des Schicksals von Opfern von Verbrechen zu
erwirken, hat der Weisse Ring im Jahr 2001 entsprechende Lobbying-Initiativen
gesetzt:
| 5.4.2001 |
Offizielle Stellungnahme des Weissen Ringes zum Entwurf
des Versorgungsrechts-Änderungsgesetzes 2002 an das Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen |
| 19.9.2001 |
Stellungnahme des Weissen Ringes zur Diversion im Rahmen der parlamentarischen Enquete-Kommission „Die Reaktionen auf strafbares Verhalten in Österreich, ihre Angemessenheit, ihre Effizienz, ihre Ausgewogenheit“, Prof. Dr. Marianne Löschnig-Gspandl präsentierte die Position des Weissen Ringes |
| 24.9.2001 |
Offizielle Stellungnahme des Weissen Ringes zum Strafprozessreformgesetz 2001 an das Bundesministerium für Justiz |
- In zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen, Vorträgen vor Serviceclubs, in Schulen, etc. und Präsentationen wird die Arbeit des Weissen Ringes für die Opfer von Verbrechen vorgestellt.
Internationale
Veranstaltungen -
Internationale Entwicklungen
- Als einzige Hilfsorganisation in Österreich, die offen für Opfer von Verbrechen ungeachtet Alter, Geschlecht, Art des Deliktes, Nationalität, etc. und flächendeckend in Österreich aktiv ist, gilt der Weisse Ring Österreich, der Mitbegründer und Mitglied des European Forum for Victim Services ist, mittlerweile in Fachkreisen als wichtigste Opferhilfsorganisation Österreichs. Als solche hat der Weisse Ring Österreich an internationalen Veranstaltungen teilgenommen, die zum Ziel haben, die Situation von Opfern von Verbrechen zu verbessern:
| 16.-20.5.2001 |
Jahreskonferenz des European Forum for Victim Services in Berlin |
| 5./6.9.2001 |
Tagung „Schutz für Verbrechensopfer in der EU“ in Trier |
| 27./28.10.01 |
Tagung „Schutz von Opferzeugen im Strafverfahren“, Mainzer Opferforum |
- Mit dem „Rahmenbeschluss des Rates der EU vom 15.3.2001 über die Stellung des Opfers im Strafverfahren“ und dem „Grünbuch Entschädigung für Opfer von Straftaten in der EU“, das am 28.9.2001 vorgelegt wurde, liegen Vorgaben und Entwürfe vor, die EU-weit in allen Ländern umgesetzt werden müssen. Sie zielen zum einen darauf ab, die Situation des Opfers im Strafverfahren zu verbessern, zum anderen, einheitliche Entschädigungsmodelle in allen EU-Staaten einzuführen. Noch im Jahr 2001 wurden die Vorbereitungsarbeiten zur Gründung des Wissenschaftlichen Beirates getroffen, der sich ab 2002 u.a. der Bearbeitung der beiden EU-Dokumente widmen wird.
Anerkennungen und Ehrungen
Als Zeichen der Anerkennung der Hilfeleistungen des Weissen Ringes für Opfer von Verbrechen und als Dank für die außerordentliche Arbeit, die einzelne Vorstandsmitglieder in jahrzehntelanger Aufbauarbeit geleistet haben wurde am
| 31.3.2001 |
Herr Präsident HonProf.Dr.Udo JESIONEK mit dem Silbernen
Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich und Frau Johanna ZWERENZ mit dem
Goldenen Verdienstkreuz des Landes Öberösterreich von Herrn Landeshauptmann Dr.Josef PÜHRINGER ausgezeichnet. |
| 5.12.2001 |
Herr Franz GRÜNBART, Landesleiter des Weissen Ringes Oberösterreich, erhielt von Herrn Landeshauptmann Dr.Josef PÜHRINGER eine Ehrenurkunde anlässlich des Internationalen Tages des Ehrenamtes überreicht. |
Dank an alle Mitglieder, Spender,
Freunde und Sponsoren
Im Jahr 2001 verzeichnete der Weisse Ring zu
Jahresbeginn einen leichten Rückgang bei der Anzahl der Mitglieder, der jedoch
im Laufe des Jahres durch neue Mitglieder wieder wettgemacht werden konnte. Mit
Jahresende zählte der Weisse Ring 675 Mitglieder, die die Arbeit des Weissen
Ringes nicht nur finanziell sondern auch ideell unterstützen. Im Jahr 2001
konnten wir feststellen, dass zahlreiche Gemeinden, öffentliche Einrichtungen
aber auch Firmen Mitglieder des Weissen Ringes wurden, die großzügige Beiträge
leisten. Dazu kommen Zuwendungen in Form von Spenden und Sachleistungen, ohne
die die Arbeit des Weissen Ringes nicht möglich wäre. Im besonderen danken wir
den Spendern und Sponsoren.