So schaffen wir das!

Aufgrund der aktuellen Corona-Krise ist der gewohnte Ablauf für jede*n von uns auf den Kopf gestellt. Viele Dinge, die bis vor kurzem noch normal waren, sind plötzlich gar nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich. Und wir müssen uns an völlig neue Verhaltensweisen gewöhnen. All das belastet und fordert uns.

Deshalb haben wir Irene Goger-Harwald, Klinische- und Gesundheitspsychologin sowie Notfallpsychologin (ÖAP) und EMDR Behandlerin in Ausbildung, aus dem Team des WEISSEN RINGS um Tipps gebeten, was jede*r Einzelne tun kann, um gut durch diese Zeit zu kommen.

Struktur hilft …

Versuchen Sie, eine gewisse Tagesstruktur aufrecht zu erhalten und sich nicht „gehen zu lassen“. Ziehen Sie sich normal an – auch wenn Sie nicht hinaus müssen und die Versuchung gegeben ist, den ganzen Tag im Pyjama zu bleiben. Halten Sie sich an Essenszeiten und Rituale, denen Sie auch in ihrem „normalen“ Alltag nachgehen.

Wenn es Ihnen hilft, erstellen Sie Pläne. Das können Tagespläne oder auch Wochenpläne sein: Was koche ich in den nächsten Tagen? Wie möchte ich meine Tage ausfüllen – Kochplan, Putzplan, Einkaufsplan? Was ist zu erledigen? Wenn Sie mit anderen zusammen wohnen, dann planen Sie auch , wer was übernehmen kann.

Machen Sie einen „Tages- oder Wochenfresser“ – einen Kalender, wo man vergangene Wochentage oder Wochen abschneiden kann – oder schreiben Sie ein Tagebuch …

Kleinigkeiten mit allen Sinnen genießen …

Ein heißes Bad mit einem wohltuenden Duft, ein spannendes Buch, ein delikates Glas Wein, Musik, eine gute Tasse Tee oder Kaffee und etwas – vielleicht sogar selbstgebackenes – Süßes dazu … im Sinne eines „entschleunigten“ Alltags tut es gut, das Augenmerk bewusst auf die kleinen, feinen Dinge des Alltags zu lenken, die das Leben lebenswert machen, sie achtsam zu zelebrieren und aus ihnen positive Kraft zu schöpfen.

Wie schön derzeit die Vögel zwitschern – das hört man sogar mit geöffnetem Fenster in der Wohnung – und die Bäume blühen! Die Kraft der Sonnenstrahlen gibt schon einen Vorgeschmack auf den Sommer – wo wir uns hoffentlich wieder sorglos und ohne Bedenken frei bewegen können …

Bewegung tut so gut …

Ein flotter Spaziergang an frischer Luft oder etwas Gymnastik zu mitreißender Musik kann für die Stimmung Wunder bewirken … man fühlt sich gleich frischer und wohler in seiner Haut, erzeugt Endorphine. Auch tanzen schüttet Glückshormone aus – Lieblingsmusik an und los geht´s!

Zeit sinnvoll füllen …

Halten Sie sich beschäftigt. Wollten Sie schon lange etwas tun, wozu Sie sich nie die Zeit genommen und aufgerafft haben? Im Haushalt finden sich unzählige Dinge, die man aufgrund von Zeit- und/oder Motivationsmangel oft aufschiebt … Fotos ordnen, Auto putzen, Sachen aussortieren, ausmisten und Ballast abwerfen. Es fühlt sich gut an, die Zeit nun dafür zu nützen. Danach hat man etwas geleistet und geschafft und das tut gut! Und Ordnung kann auch wieder Struktur schaffen und Sicherheit geben.

“Eingeschlafene” Hobbies aktivieren oder neue beginnen …

Warum nicht wieder einmal das ewig nicht beachtete Strickzeug aus dem Kasten holen? Oder überhaupt mal etwas ganz Neues ausprobieren? Schon versucht, selbst Brot oder Gebäck zu backen? Spielen Sie ein Musikinstrument und haben lange nicht mehr geübt? Versuchen Sie die Zeit mit Dingen auszufüllen, die Ihnen Spaß machen und die Sie erfüllen.

Im Internet findet man unzählige Anleitungen und Rezepte, die einem das Übertauchen dieser Zeit erleichtern …

Positiv bleiben …

Auch wenn es manchmal schwierig erscheint: versuchen Sie, die Phase positiv zu sehen. Manchmal hilft es, ein „worst case-Szenario“ zu zeichnen: was ist das Schlimmste, was uns derzeit passieren könnte? Wenn wir in andere Länder blicken, wo Krieg und Armut herrscht, Gesundheitssystem und Grundversorgung quasi nicht vorhanden sind, befinden wir uns im Gegensatz dazu in Sicherheit und sind gut aufgestellt.

Es ist alles gut … wir haben genug zu essen, unsere Grundversorgung ist gesichert. Wir müssen jetzt mehr Zeit zu Hause verbringen als sonst. Vielleicht gelingt es, uns in dem geschützten Umfeld für diese begrenzte Zeit so viel Positives zu holen, dass wir uns wohl fühlen und es uns gut geht. Führen wir uns vor Augen: eigentlich braucht es so wenig, um glücklich zu sein.

Behutsam und achtsam mit sich selbst und dem Umfeld umgehen …

Gut zu sich selbst und seinen Lieben sein. Nach dem Motto „ich für mich, ich für dich, wir für uns“ – täglich ganz bewusst etwas NUR für SICH, NUR für jeden anderen und alle gemeinsam tun … in dieser emotional fordernden Zeit wertschätzend mit sich selbst und seinem engsten Umfeld umzugehen ist das Um und Auf, um unbeschadet durch diese Herausforderung zu kommen. Sich vor aggressiven Ausbrüchen und Eskalationen zu schützen. Seine Bedürfnisse ernst nehmen und sich auch mal aus dem Familiengeschehen zurückziehen, sofern es möglich und nötig ist kurz raus gehen!

Ich persönliche habe mit meinen Kindern eine „Corona-Challenge“ geplant: wir haben ein großes Plakat, das die ganze Welt mit all ihren Wundern und Denkmälern abbildet. Das finde ich auch als Sinnbild für diese Corona-Zeit, wovon die gesamte Welt betroffen ist, sehr schön … Dieses Plakat wollen wir alle zusammen täglich ein Stück weiter ausmalen – es wird uns danach immer an diese intensive Zeit erinnern. Und wir freuen uns auch schon, danach ein neues Plakat zu beginnen.

Vorfreude ist die schönste Freude …

Was werde ich danach wieder alles – vielleicht viel bewusster als davor – machen? Wird ein Treffen mit Freunden im Restaurant anders sein? Wie wird der erste Eiskaffee des Jahres auf der sonnenbeschienenen Terrasse eines Cafes schmecken? Wie sich das erste Konzert anhören?

Besorgen Sie sich Gutscheine oder ähnliches, womit Sie sich danach „belohnen“ können …

Online-Treffen planen …

Verabreden Sie sich online zu einem Skype- oder Zoom-Treffen mit Freund*innen und/oder Familie. Der gesellschaftliche Austausch tut so gut, selbst über den Bildschirm. Und Lachen nicht vergessen …

Lachen ist gesund und macht glücklich …

Diese Phase ist nicht einfach. Für viele von uns sogar existenziell bedrohlich. Dennoch müssen wir die Gegebenheiten annehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Und irgendwann werden wir auf diese Zeit als eine ganz besondere zurückblicken können … und stärker daraus hervorgegangen sein.

Wenn Sie sich einsam fühlen, psychische Probleme haben und jemanden zum Reden brauchen: Es gibt Hilfe.
Der Opfer-Notruf 0800 112 112 ist rund um die Uhr für Sie da!

Diesen Beitrag teilen: