Jahresbericht 2018

Mit aktuellen Themen am Puls der Zeit

Noch nie in der 40-jährigen Geschichte des WEISSEN RINGS wurden in einem Kalenderjahr so viele Projekte zu aktuellen Themen bearbeitet und erfolgreich abgeschlossen.

Hier steht der ganze Jahresbericht als Download zur Verfügung.

Hate No More“ – eine internationale Kooperation zum Thema Hasskriminalität – zählte ebenso dazu wie „Gewalt im Netz gegen Frauen und Mädchen in Österreich“, eine für Österreich erste Bestandsaufnahme zu diesem Thema. Aus beiden Projekten wurden – neben umfangreichen, informativen Unterlagen – auch Schulungen entwickelt und erfolgreich angeboten. Im Rahmen des EU-Projektes „VOCIARE“ erstellte der WEISSE RING auf Basis einer Expert*innenbefragung einen Länderbericht zur Umsetzung der EU-Opferschutz-Richtlinie 2012/29/EU sowohl in legistischer Hinsicht als auch in der gelebten Praxis.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt lag 2018 beim Projekt „Drehscheibe“, in dem es um den Informationsweg zwischen Polizei und WEISSEM RING geht, vor allem jedoch um eine rasche Unterstützung von Verbrechensopfern. Einige andere Themen wie „Tatort Arbeitsplatz“ und zusätzliche Angebote für Senior*innen sind bereits seit Jahren Programm.

Projekt „Hate No More“

Ein Mann prescht absichtlich in eine Menschengruppe und schreit dabei „Alle Ausländer müssen sterben“. Geschehen in der Steiermark. Männer in einem Nachtbus wollen zwei lesbische Frauen nötigen, einander zu küssen. Sie weigern sich und werden daraufhin verprügelt. Geschehen in London. Hasskriminalität hat viele Gesichter und kommt nur selten in die Schlagzeilen. Und die Taten werden viel zu selten angezeigt. Hinter den Taten steht immer ein verwerfliches Motiv -– nämlich um die Ablehnung eines Menschen oder einer sozialen Gruppe aufgrund von Merkmalen, die diese nicht ändern wollen oder können . Das kann beispielsweise das religiöse Bekenntnis sein, die ethnische Zugehörigkeit oder – wie in dem Fall in London – die sexuelle Orientierung.

Die Wirkung der Tat geht weit über die direkt Betroffenen hinaus.

„Das Perfide an diesen Taten ist, dass immer die ganze Community betroffen ist. Die Taten sprechen sich herum und machen Angst“

Dina Nachbaur, Geschäftsführerin WEISSER RING zu Hate Crime

Dina Nachbaur und Tobias Körtner haben zwischen 2016 und 2018 intensiv an dem EU-Projekt „Hate No More“ gearbeitet. Gemeinsam mit Opferhilfe-Einrichtungen aus ganz Europa wurden ein Handbuch und umfassende Schulungsunterlagen erstellt. Die zentralen Elemente dieser Publikationen sind – neben den rechtlichen Rahmenbedingungen und statistischen Daten zum Phänomen Hasskriminalität – das Erkennen von Hasskriminalität, von deren Wirkung auf direkte und indirekte Opfer sowie der richtige Umgang mit Betroffenen. Das Training richtet sich an Mitarbeiter*innen von Strafverfolgungsbehörden und Opferhilfe-Einrichtungen und wurde im Jahr 2018 bereits von rund 200 Menschen absolviert.

Tatort Internet

Der WEISSE RING trägt in seiner Arbeit der Tatsache Rechnung, dass Kriminalität in steigendem Ausmaß im Internet stattfindet. Vielfach fehlen hier allerdings konkrete Daten und genaue Rechtsanalysen. Genau an dieser Stelle setzt das Projekt „Gewalt im Netz gegen Frauen und Mädchen in Österreich“ an. In Kooperation mit dem Forschungszentrum Menschenrechte der Universität Wien wurde eine Bestandsaufnahme erstellt und im Jahr 2018 abgeschlossen. Die Ergebnisse flossen in einen umfassenden Bericht, eine informative Broschüre und in Schulungsunterlagen. Über 200 Frauen und einige wenige Männer absolvierten 2018 die darauf aufbauenden Workshops. Für den WEISSEN RING waren Angela Ehrenreich, Dina Nachbaur und Sabine Weber in ganz Österreich im Einsatz. Das Wissen wird nunmehr weitergetragen durch die Kolleginnen, die auch den Train-the-Trainer Workshop absolviert haben. Wissen über dieses Thema ist in der Beratung wichtig. Denn schließlich gab jede dritte befragte Frau an, im Lauf des letzten Jahres zumindest einmal Gewalt im Netz erlebt zu haben.

Statistische Eckdaten 2018

Im 41. Jahr seines Bestehens verzeichnete der WEISSE RING insgesamt 2.061 intensiv betreute Klient*innen in der Opferunterstützung, von denen sich 1.678 im Berichtsjahr neu gemeldet hatten. 55 % der Meldungen stammten aus Wien.

Zusätzlich wurden im Rahmen des Opfer-Notrufs 0800 112 112, den der WEISSE RING im Auftrag des BMVRDJ betreut, durchschnittlich 31 Gespräche pro Tag geführt. Gewählt wurde diese Nummer insgesamt 13.209 Mal.

Besonders erfolgreich war der Internet-Auftritt: Mit rund 31.600 Besucher*innen verzeichnete die Website www.weisser-ring.at einen Anstieg der Zugriffe um 45 %.

Zusätzlich betreut der WEISSE RING im Rahmen von fünf Projekten Opfer von Gewalt in Einrichtungen von Evangelischer Kirche A. und H.B./Diakonie Österreich, Otto Wagner Spital – Pavillon 15, Wiener Jugendwohlfahrt, Bund – BMJ sowie Bund – BMUKK. Beim erst genannten Projekt sind Neumeldungen nach wie vor möglich. Die anderen Projekte befinden sich in der Abschlussphase, es sind also keine Anträge mehr möglich.

40 Jahre WEISSER RING in Österreich

Im Jahr 2018 feierte der WEISSE RING unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen sein 40jähriges Bestehen. Alles über die erfolgreiche Geschichte des Vereins, der als private Initiative einiger weniger Menschen begann, kann in der Festschrift nachgelesen werden. „Wenn ich auf die 40-jährige Geschichte des WEISSEN RINGS zurückblicke, empfinde ich Stolz und Dankbarkeit. Stolz, weil wir unseren Beitrag zu zahlreichen positiven Entwicklungen in der Opfergesetzgebung leisten konnten. Dankbarkeit, weil sich so viele Menschen mit all ihrer Energie und ganzem Herzblut für tausende Verbrechensopfer eingesetzt haben,“ blickte Gründungsmitglied Udo Jesionek, seit 1991 Präsident des WEISSEN RINGS, zurück.

Übersiedlung bei laufendem Betrieb

Mitte des Jahres übersiedelte die Bundesgeschäftsstelle in ein neues Büro direkt beim Franz-Josefs-Bahnhof, was eine wesentliche Verbesserung sowohl für Klient*innen als auch für Mitarbeiter*innen brachte. „Ich bin noch heute überwältigt, was uns da gelungen ist: Neben dem normalen Beratungsalltag haben wir geplant, umgebaut, gepackt und sind schließlich übersiedelt – und waren die ganze Zeit über telefonisch erreichbar und immer handlungsfähig“, erinnert sich Natascha Smertnig an die Herausforderungen einer Übersiedlung bei laufendem Betrieb.

Ein paar Worte zu den Finanzen

Der WEISSE RING wurde im Jahr 1978 als reine Freiwilligenorganisation gegründet. Spenden, Sponsoring und Mitgliedsbeiträge sind bis heute zentrale Elemente der Opferhilfe wie der WEISSE RING sie anbietet.

Zusätzlich hat der WEISSE RING im Lauf der Zeit gesetzliche Leistungen übernommen, die von der öffentlichen Hand finanziert werden und wickelt in deren Auftrag auch Projekte ab.

Die Finanzierung des WEISSEN RINGS ruht auf folgenden drei Säulen:

  • Mitgliedsbeiträge, Spenden und Verlassenschaften (Testamentspenden)
  • Sponsoring durch Unternehmen und Organisationen
  • Finanzierung von Projekten und gesetzlichen Leistungen durch die öffentliche Hand

Viele Leistungen, die der WEISSE RING anbietet, wären ohne Spenden, Verlassenschaften, Sponsoring und Mitgliedsbeiträge nicht finanzierbar.

Die Kernaufgaben des WEISSEN RINGS

Der WEISSE RING ist Österreichs einzige allgemeine Opferunterstützungs-Einrichtung, die allen Opfern krimineller Handlungen jeglicher Form offensteht.

Rasch, unbürokratisch und kostenlos werden geboten:

  • Professionelle Beratung und Betreuung
  • Psychosoziale und juristische Prozessbegleitung
  • Finanzielle Hilfe im Notfall

Darüber hinaus ist der WEISSE RING Anlaufstelle und Drehscheibe für Informationen über die Angebote anderer Opferhilfe-Einrichtungen. Im Auftrag des Bundesministeriums für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz betreibt der WEISSE RING den aus ganz Österreich gebührenfrei und rund um die Uhr erreichbaren Opfer-Notruf 0800 112 112 als erste, zentrale Anlaufstelle für alle Opfer krimineller Handlungen.

Und es gibt noch viel mehr!

Deshalb steht der ganze Jahresbericht als Download zur Verfügung.

Foto / © Brigitta Pongratz: Die Geschäftsführerinnen des WEISSEN RINGS, Natascha Smertnig und Dina Nachbaur danken allen Mitarbeiter*innen des WEISSEN RINGS für ihren außerordentlichen Einsatz im Jahr 2018